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Pferdekalender


Seelenmangel bei Pferden

» User #20169 schrieb:

Es gibt eigentlich schon dieses Thema, aber leider kann ich dort keinen Beitrag mehr einstellen. Meine Stute geht immer wieder lahm (Ihr haut es beim Reiten die Hinterbeine weg). Das Problem taucht periodisch (in unregelmäßigen Abständen) auf seit sie 2 Jahre alt ist (heute 5 Jahre). Inzwischen haben wir Seelenmangel festgestellt.Hat jemand Efahrung damit? Wie äußert sich Seelenmangel und was ist die Empfehlung bezüglich reiten.


» User #5889 schrieb:

Das Pferd hat sicher keinen SEELENmangel, sndern einen SELENmangel icon_wink.gif

Ich kopiere hier mal rein, das ist ein Auszug aus dem St. Hippolyt Futter Journal:

Zitat:
Symptome des Selenmangels

Die Symptome können Haarbruch, Steifigkeit der Hinterhand (Ataxie), Infektionsanfälligkeit, Skelett- und Herzmuskelveränderungen sein. Insbesondere Fohlen sind häufig betroffen, da die ausreichende Versorgung über die Plazenta der Stute oft nicht gewährleistet ist. Typisches Selenmangelbild beim Fohlen ist die alimentäre Muskeldystrophie (= ernährungsbedingte Muskeldegeneration).
Der Selenstatus des Pferdes kann anhand von Blutserumanalysen direkt oder über das Enzym GPx ermittelt werden. Unsicherheiten treten in der Interpretation dieser Werte auf. Verschiedene Labors berufen sich auf unterschiedliche Referenzwerte.

Bedeutung von Selen im Stoffwechsel:

Die Aufgaben des essentiellen Nährstoffs Selen im lebenden Organismus sind bis heute noch nicht vollständig aufgeklärt. Die wohl wichtigste Aufgabe ist die wesentliche Beteiligung an der Funktionsfähigkeit der Glutathionperoxidase (GPx). Die GPx ist ein Enzym das beim Abbau von verschiedenen Radikalen und anderen Metaboliten (=Stoffwechselzwischenprodukten) unersetzlich ist. Diese bilden sich physiologischerweise im Stoffwechsel, z.B. bei Muskelarbeit und fallen insbesondere bei unphysiologischen Zuständen (Infektionskrankheiten, Kreuzverschlag) an. Ohne das Enzym GPx würden diese Abfallprodukte des Stoffwechsels die Zellen im Körper nach und nach zerstören.
Die Bedeutung für den Muskelstoffwechsel wurde in der Pferdefütterung bereits vor einigen Jahren erkannt und wird nun, insbesondere beim Leistungspferd, durch zusätzliche Gaben an diesem Spurenelement (häufig in Verbindung mit Vitamin E) genutzt. Dabei ist zu beachten, dass eine permanente Überversorgung genauso schädlich wie eine Unterversorgung ist. Die Symptome gleichen sich.

Nord-Süd-Gefälle

Heute wissen wir, dass die Selengehalte im Futter normalerweise zu niedrig sind bedingt durch Auswaschung und Versauerung der Böden u.a. als eine Folge der Intensivbewirtschaftung der Felder, wie sie im 20. Jahrhundert propagiert und noch immer durchgeführt wird. Dabei gilt für Deutschland ein natürliches Nord-Süd-Gefälle der Selengehalte in den Böden, d.h. im Süden sind die Böden stärker verarmt als im Norden.
Es steht fest, dass die Selenversorgung über die Ernährung - nicht nur beim Pferd – nicht ausreichend ist. Verschiedene wissenschaftliche Untersuchungen zur Selenversorgung von Pferden zeigten deutlich zu niedrige Gehalte an Selen in Grundfuttermitteln.



» User #6297 schrieb:

Ich hab einen Oldtimer mit Ataxie (bei ihm ausgelöst durch Equines Herpes), der auch in unregelmäßigen Abständen Schübe hat, wo er seine Hinterhand nur schwer kontrollieren kann. Er torkelt, läuft Kreise, schwankt wie betrunken und ihm kippt oder rutscht das Hinterteil weg. Insgesamt ist er dann recht steif.

Dem füttere ich über das Jahr hin in 2-3 Kuren ein hochdosiertes Mineralfutter bestehend aus Magnesium-Vit E-Selen-Lysin, das bei ihm sehr gute Erfolge zeigt jetzt schon über Jahre. Seine Anfälle haben sich seither von ca. 10-12 im Jahr auf max. 1-2 im Jahr reduziert, so das er ein relativ normales Leben führt und seinen Spaß als leicht gerittener Oldtimer hat.
Wenn sich ein Schub ankündigt (mittlerweile seh ich ihm das an den kleinsten Unregelmäßigkeiten an) fange ich sofort an ihm dieses Futter einige Tage lang hochdosiert beizufüttern, so das in der Regel auch innerhalb weniger Tage eine sichtbare Besserung eintritt, bzw es garnicht erst voll auftritt. Anschliessend füttere ich das Mineralgemisch noch für 3-4 Wochen in halber Dosis weiter um ihn stabil zu halten (manchmal auch länger, das entscheide ich ne nach Situation aus dem Bauch raus).

Während eines Schubs verzichte ich aufs reiten, das Risiko einen schmerzhaften Sturzes ist für Pferd wie Reiter in dieser Zeit zu hoch. Hat sich sein Gangbild wieder gebessert darf er entweder als Handpferd mitspazieren, oder wird leicht geritten, wobei er eh nur ein-zweimal die Woche geritten wird, gemütlich im Schritt, 1,5 Stunden ca im Gelände und sich ansonsten auf einer Hangweide selbst trainiert durch klettern.

Ganz aufs reiten verzichten habe ich abgelehnt, in der Anfangszeit, als er noch zu instabil war, wurde er im Sulky gefahren. Regelmäßige Bewegung finde ich persönlich allerdings wichtig, damit die Muskulatur nicht zu heftig abbaut, was das Problem dann ja nur wieder verschlimmert.

Allerdings, bei so einem jungen Pferd, keine Ahnung, am besten fragst du den behandelnden TA! Hier kann jeder nur aus seinem persönlichen Erfahrungsschatz reden und dir keinen allgemeingültigen Tipp geben.
Vermutlich würde ich mir mal ein gutes Selenfutter besorgen und die Sache beobachten, ob man das Pferd damit stabilisieren kann - in Absprache mit dem TA natürlich!