Haustiere

Pferdekalender


Pony macht Probleme beim "Einfahren"

» User #13873 schrieb:

Also ich denke eigentlich nicht das es daran liegt das ich ihn zu wenig gelobt habe, ich glaub die "Menge" war ganz in Ordnung...
Vielleicht lag es damals wirklich daran, dass ich schon ein wenig zu lange mit ihm "gearbeitet" habe, obwohl ich mir da auch nicht 100% sicher bin, weil er eigentlich die ganze Zeit nie wirklich gut mitgemacht hat...
Ob ich ihm das verständlich genug vermittelt habe, kann ich im Nachhinein nicht mehr so gut sagen, ich habe es in letzter Zeit auch nicht mehr probiert da sich ein Mädchen gefunden hat, das den Kleinen jetzt ab und an reitet und ich mit den Beiden großen die ich zu pflegen hab auch genug zu tun hab icon_smile.gif, aber eigentlich habe ich nie viel von ihm verlangt, es ist immer einer neben ihm her gelaufen und ich bin dann mal wie zufällig dichter hinter ihm oder neben ihm und sowas eben gelaufen.

Naja, vielleicht versuchen wir es im Sommer nochmal, vielleicht war er wirklich ein wenig überfordert, wenn noch jemand Tipps hat wäre ich natürlich wie immer dankbar icon_smile.gif


» User #13286 schrieb:

Hm, aus der Entfernung sind spezielle Probleme meist schwer zu beurteilen, und man kann nur ein bisschen herumrätseln über die möglichen Ursachen. Meine Ponys fanden Neues lernen eigentlich immer ganz toll, und obwohl sie ganztägig in einer kleinen Herde auf der Weide standen, kamen sie immer angerannt, wenn ich mit der Trense klapperte, denn das bedeutete wieder Abwechslung vom ewigen Grasen icon_smile.gif Ein Nachbar, der auch Pferde hatte, staunte nicht schlecht, als er sah, wie die arbeitswütige Herde angetrabt kam. Er meinte, er müsse immer mit 'nem Hafereimer seine Pferde einfangen und das Halfter hinter'm Rücken verstecken.

Dann habe ich mal das Pony eines anderen Nachbarn eingefahren. Das war das erste und einzigste Pferd, das (anfangs) schlichtweg nicht WOLLTE. Nix keine Angst oder zu dämlich - es wollte einfach nicht (na gut, oder vielleicht war es teilweise auch so, dass ihm anfangs durch den Besitzer die falsche Verhaltensweise vermittelt worden war.)

Das Pony war ca 8 Jahre alt und wurde täglich von der Tochter des Besitzers im Gelände geritten, war verkehrssicher, und es ging nur noch darum, das Pony dran zu gewöhnen, von hinten statt von oben gelenkt zu werden, und dass eben Gegenstände hinten dran hängen, die es wegziehen soll. Eine Kutsche hatte der Nachbar leider noch nicht, da er meinte, es würde sowieso nicht klappen, nachdem das Pony ihn beim Fahren vom Boden aus in die Brennesseln geschleift hatte... Also es ging zunächst nur um vorbereitende Übungen. Ich stand hinter dem Pony mit den Fahrleinen in der Hand, die Tochter des Besitzers führte es zunächst, während ich vorsichtig die Leinen benutzte. Nach einer Weile meinte ich, dass ich es nun ohne Hilfe versuchen könne. Das Pony blieb jedoch stehen, und weder auf mein Kommando noch auf vorsichtigen Aufmuntern mit den Leinen reagierte es. Da klatschte ich die Leinen etwas nachdrücklicher auf seinen Hintern und gab das Kommando in einem etwas schärferen Ton. Die Stute stieg daraufhin bis zum Überkippen. Ich war jedoch vorab von dieser Eigenheit informiert worden und nahm's gelassen. Der Untergrund war ja immerhin weich. Die Stute schien auch total keine Angst zu haben, sie lag da ganz relaxt und ich hab sie aus dem Leinensalat wieder rausgepuddelt, ohne Hektik und ohne Schimpfen, so als ob das einfach ganz normal wäre. Dann stand sie ganz gemütlich wieder auf. Ich wieder hinter das Pony, wieder Kommando und leichtes Antippen der Leine auf der Kruppe, - die Stute war dermassen perplex, dass sie glatt einen paar Schritte vorwärts machte. Das war ihr wohl noch nicht vorgekommen, dass man nach so'ner Vorstellung wahrhaftig immer noch die Übung forderte. Bislang hatte sie mit dem Steigen und Überschlagen wohl noch Jeden beindruckt und dann wurde die Übung sofort abgebrochen (womit sie aus ihrer Sicht dann wohl das Richtige getan hatte, da sie mit Aufhören belohnt wurde). Da sie nun vor lauter Überraschung ein paar Schritte vorwärts machte, hab ich sie gaaanz dolle gelobt und gleich die Übungseinheit beendet. Manche Ausbilder machen in so'ner Situation ja den Fehler, zu denken : ah, jetzt geht's gerade gut, also schnell noch ein bisschen weiter üben. Der Schuss geht aber nach hinten los : man stelle sich einen Schüler vor, der seine Rechenaufgaben gut gelöst hat, und zur "Belohnung" noch 5 weitere Aufgaben aufgebraten kriegt... Das ist nicht so sehr motivierend, oder?

So, nächster Tag mit dem Pony : Wiederholung vom Vortag, klappt prima, aber die Stute sinnt bereits auf die nächste Methode, sich zu drücken, und es dauert nicht lange, da hat sie was Tolles gefunden : sie dreht sie urplötzlich um 180 Grad und steht mit dem Kopf zu mir, sodass ich mit den Leinen keine Einwirkung mehr habe. Ich stelle sie wieder in "Fahrtrichtung" und versuche erneut, sie von hinten zu lenken - schaue ich plötzlich wieder auf ihre Nase statt auf ihren Schweif... Dann hab ich ein Gegenmittel gefunden : ich merke, wenn sie zum Umdrehen ansetzt und nehme in dem Moment einen Zügel SO kurz, dass ich ihr damit die Nase ans Selett ziehe. Nun steht sie da mit stark gebogenem Hals und kann ihr Vorhaben sich umzudrehen, nicht mehr ausführen, da sie dabei aus dem Gleichgewicht geraten würde. Langsam gebe ich mit dem Zügel nach, bis sie wieder gerade steht und lasse sie wieder ein paar Schritte gehen. Auch den nächsten Ansatz zur Kehrwendung kann ich auf die gleiche Art erfolgreich verhindern, und von da an gibt es keine grossen Probleme mehr, und nach 1 Woche zog sie dann Reifen oder Blechbüchsentraube weg. Der Besitzer sagte mir später, dass seine Tochter sogar Reifen UND Blechbüchsen dahintergehängt habe und sich auch noch auf den Reifen draufgesetzt habe, und das Pony zog einfach alles weg und liess sich dabei gut lenken.

Ich hoffe, dass ich niemand mit der langen Story gelangweilt habe, aber ich habe es u.a. auch deshalb erzählt, um zu zeigen, dass die vielzitierte Rangordung bei der Ausbildung kaum eine Rolle spielt. Ich kannte das Pony vorher nur vom Sehen, bin dann 1 Woche lang jeden Tag hingegangen und habe vom Start weg mit ihm geübt, - da war nix mit vorher erst Rangordung ausfechten. In einem Hundeforum habe ich mal die Aussage gelesen, dass eine gefestigte Rangordnung keine Erziehung ersetze, und wenn der Hund seinen Herrn noch so sehr als Chef anerkennt, so folgt daraus nicht, dass er sich hinsetzt wenn Herrchen "sitz" sagt. Dazu muss man ihm erst beibringen, was "sitz" ist, und ihn dann dazu motivieren, diesen Befehl freiwillig auszuführen, wenn man es ihm sagt.

Wenn Du beim nächsten Versuch immer noch Probleme hast, versuch doch mal genauer zu erklären, WAS Du genau gemacht hast und wie das Pony reagiert hat (unter "...ist da rumgerannt wie sonst was..." oder "...Er ist schon beim "normalen" Longieren total wiederspänstig..." kann ich mir nämlich nicht viel vorstellen icon_wink.gif ) Da müsste man genauer wissen, WAS das Pony macht und wie die Gesamtsituation in dem Moment aussieht, um evtl eizuschätzen, was zu dieser Reaktion führt.


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