Haustiere

Fehlende Erziehung vererbbar?

» User #14649 schrieb:

Hallo zusammen icon_wink.gif

Meine Frage:

In wie weit kann die Erziehung der Hundeeltern den Nachwuchs beeinflussen?

Es geht darum, dass ich vor einiger Zeit eine Zucht besucht habe. Einfach weil mir die Rasse so gefällt und ich mal die einzige Zucht in unserem Land live sehen wollte. Dennoch werde ich mich noch im Tierheim umsehen, ob nicht ein anderer Hund in Frage kommt, für eine Hündin bin ich letzte Woche 3h in ein entferntes TH gefahren...Nun zurück zum Thema, die Züchterfamilie war mir sehr symphatisch, gaben bereitwillig Auskunft, zeigten Hunde und Gehöf, ebenso das Gelände, die Ausläufe etc. Ich würde meinen die Hunde haben es da relativ gut. Relativ, weil für mich die ideale Hundehaltung im Haus, immer bei der Familie ist. Nun ist das aber in einer Zucht mit ca. 10 Hunden (mit Welpen natürlich mehr) wohl nicht immer möglich, gerade mit unkastrierten Rüden und läufigen Hündinnen, die nicht bei jeder Hitze gedeckt werden sollen (Ruhepausen!). Deswegen wurde dort alles so eingerichtet, dass die Hunde, die zur Zeit einen älteren Wurf haben, draussen in grossen, vielseitig eingerichteten Gehegen leben, natürlich auch mit Schutzhaus. Nur leider durch diese Haltung zeigt sich bei den Elterntieren kein „gut erzogenes“ Verhalten. Sie springen an einem hoch, wenn man das Gehege betritt (angemerkt: freundlich), sind aber halt sehr wild und ungestüm. Bei Fuss gehen sie wohl auch nicht richtig, oder nicht alle. Mit manchen wird Hundesport gemacht, deren Befolgung von Kommandos ist natürlich tadellos, aber wie gesagt gibt es auch die anderen, die sehr wild und unerzogen sind, diejenigen die mehrheitlich in den Gehegen leben. Nur jweils um die 3 Stück leben mit im Haus.

Nun wie kann sich das auf die Welpen vererben? Wenn Eltern und evt. Grosseltern nie erzogen wurden? Hat dies überhaupt Einwirkungen auf das Wesen der Kleinen? Sind diese schwieriger zu erziehen, haben ebenso einen Hang zur Ungestümheit und verhalten sich eher wie kleine Wirbelwinde - oder spielt das alles keine Rolle und man hat mit deren Erziehung genauso viel zu tun, wie bei Welpen gut erzogener Hunde?

Würde mich über eure Gedanken & Infos freuen
LG
Valli


» User #3675 schrieb:

ValMarina hat folgendes geschrieben::
Nun wie kann sich das auf die Welpen vererben? Wenn Eltern und evt. Grosseltern nie erzogen wurden? Hat dies überhaupt Einwirkungen auf das Wesen der Kleinen?

Hallo ValMarina,
zwar habe ich nichts mit Hunden studiert, aber einen nicht unerheblichen Teil Psychologie. icon_wink.gif Und gerade erinnere ich mich an eine Vorlesung "Entwicklungspsychologie des Kindes- und Jugendalters".

Das Verhalten von Lebewesen wird von zwei Komponenten beeinflusst:
1. den Genen, also der Vererbung
2. der Umwelt, also der Erziehung

Wie Du siehst, haben beide zunächst einmal (!) nichts miteinander zu tun, so dass die Erziehung der Eltern im Prinzip nichts mit dem Verhalten der Welpen zu tun hat. Interessant wird es aber an dem Punkt, an dem das (erlernte) Verhalten der Elterntiere den Welpen als Vorbild dient, die ja von den Eltern (also über den Einfluss der sozialen Umgebung) lernen.

Beispiel 1: Ob die Elterntiere Fuß laufen können, ob sie einen korrekten Apport ausführen oder einer Fährte folgen können (also, ich meine: die Kommandos dazu beherrschen), hat null Einfluss auf das Verhalten der Welpen.

Beispiel 2: Ob die Elterntiere stubenrein sind, kann sehr wohl Einfluss auf die Welpen haben, denn es gibt ja Verhaltensweisen, die Welpen von ihren Eltern durch Nachahmung lernen. Sowohl Welpen mit stubenreinen Eltern als auch anderen Welpen kann man die Stubenreinheit auch später beibringen. Nur hat man es bei der zweiten Sorte vermutlich ein wenig schwerer ...

In dem von Dir beschriebenen Fall kann ich mir vorstellen, dass die Welpen sich das Anspringen von den Eltern abgucken. Ihr Temperament hingegen und der Hang zu ungestümen Verhalten (also der Charakter) dürften eher der Vererbung (Disposition der Rasse bzw. Charakter der Elterntiere) zuzuschreiben sein.
Um welche Rasse geht es denn? Und, sollte nicht auch die Zuchtzulassung von bestimmten Ausbildungsauflagen der Zuchttiere (z.B. Begleithundprüfung, Schutzhundprüfung bei bestimmten Rassen) abhängig sein? Ich weiß ja nicht, wie das bei Euch in der Schweiz gehandhabt wird ...
Viele Grüße,
Minou


» User #14649 schrieb:

Hallo Minou

Ganz interessant, danke icon_wink.gif Also dann bin ich ja erstmal froh, dass gewisse Sachen keinen Einfluss haben. Das mit der Stubenreinheit klingt logisch, aber wäre auch kein Problem, da die Elternhunde natürlich ihre Schlafplätze nicht verschmutzen. Von dem her lernen die Kleinen schon, dass sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten raus gehen und draussen in die Ecke machen (hab ich gesehen).
Das mit dem Hochspringen war auch ein wesentlicher Punkt, aber die Welpen sind ja mit 10-12 Wochen noch klein und ich denke wenn man sie dann übernimmt, bekommt man das ganz normal in den Griff. Sie waren neugierig wie alle anderen Welpen und kamen natürlich an, aber übermässig hochspringen konnten die Kleinen noch gar nicht. Meine Angst war eher vor „bleibenden Marotten“ oder dass Welpen solcher Hunde generell schwer zu erziehen seien.
Zu der Rassenfrage: Es geht um deutsche Pinscher (welche ja schon von Natur aus temperamentvoll sind icon_wink.gif ). Von Ausbildungsauflagen habe ich auch schon gehört, aber ob es hier gilt, wie das in der Praxis wirklich gehandhabt wird und ob kontrolliert wird, weiss ich nicht.

Viele Grüße zurück
Valli