Haustiere

Beisserei aus Unachtsamkeit

» User #19355 schrieb:

Direkt am Anfang möchte ich sagen:"Nein, es gab noch KEINE Beißerei"

Aber heute ist etwas passiert, das mich nachdenklich gestimmt hat.

Zuerst einmal ein paar Details zu meiner Fellnase:
Er ist ein 4 Jähriger, kastrieter Retriever-Rüde, hat in unserer 3Jährigen Haltung noch keinen gebissen, weder Mensch noch Hund und ist auch ansonsten vom Wesen her ein freundlicher Hund, der manchmal etwas zu neugierig ist. Meistens interessieren ihn die Besitzer mehr als die Hunde (Könnten ja ein Leckerchen fallen lassen)

So, nun zu der Situation:

Meine Mutter und ich waren mit unserem Rüden Spazieren gefahren (so weit gehen konnte ich nicht, weil ich krank war und dementsprechend heiser, also haben wir ihn ein bisschen flitzen lassen), er war vorschriftsmäßig auf dem Rücksitz in seiner Wanne angegurtet. Als wir zu Hause ankamen, habe ich ihn los gemacht, damit meine Mutter das Auto in die Garage stellen konnte und ihm dementsprechend die Türe aufgehalten. Das alles natürlich, nachdem ich mich vergewissert hatte, dass nicht unbedingt Nachbarskatze Timo durch unseren Vorgarten geistert.

Mein Rüde steigt aus, befindet sich hinter dem Auto. Ich halte seine Leine in der einen Hand und in der anderen seinen leeren Wasserkanister.

Er bleibt auf einmal mit gespitzten Ohren stehen und erst da bemerke ich, dass eine Hundebesitzerin aus der Nachbarschaft mit ihrem Jacky genau vor unserer Einfahrt stand. (jetzt kenne ich den toten Winkel auch in der Praxis)Dazu ist zu sagen, dass mein Rüde Jackys liebt und sich am liebsten von denen Jagen lässt. Diese Hundebesitzerin ist allerdings dafür bekannt noch mehr Hunde zu haben und vertritt die Meinung, dass alle Abstand halten sollen, im Ernstfall würde ihren Hunden nichts passieren. (Die Bedeutung kann man sich denken).

Also, meine Fellnase läuft ganz begeistert rüber und will ihn begrüßen, ich rufe nach ihm, aber dadurch, dass ich erstens die Hände voll hatte und zweitens heiser war, konnte ich im ersten moment nichts ausrichten. Also, war er schon dran. Ich habe dann die Sachen losgelassen und bin zu ihm gegangen, das alles ohne Hektik zu verbreiten. Die Hundebesitzerin zieht leicht (!) an der Leine, ihr Hund jault auf. Da ich aber keinen Meter von der Situation entfernt stand, habe ich gesehen, dass mein Hund weder gebissen hat, noch habe ich gehört, dass er geknurrt hat. Ich habe ihn dann weggeholt und sie hat noch einen netten Spruch losgelassen.

Jetzt zu meiner Frage, wo sie angeblich so "böse" Hunde hat, und der dann meinen Rüden angegriffen hätte und der sich gewehrt hätte... Wäre ich dann alleine Schuld an der Situation? Ich meine, immerhin war er nicht angeleint, aber ich habe mich vergewissert, dass keine Katze da ist, also hätte ich dementsprechen auch jeden Hund gesehen. Nur hat sie sich wohl eben im toten Winkel befunden.

Laut BGB § 833 heißt es ja, dass man nicht aufkommen muss, wenn ".. entweder der Tierhalter bei der Beaufsichtigung des Tieres die im Verkehr erforderliche Sorgfalt beachtet oder der Schaden auch bei Anwendung dieser Sorgfalt entstanden sein würde."

Ich habe mich ja vergewissert, aber es war, in dem Sinne einfach dumm gelaufen und ja auch nichts passiert! Aber was wäre wenn?

Vielen lieben Dank für alle Antworten icon_pray.gif


» User #3675 schrieb:

Hallo Sanctus,
herzlich willkommen hier. icon_biggrin.gif Rechtliche Auskunft wird Dir hier niemand geben können, nur Meinungen.

Ich sage gleich vorher, dass ich mich nicht auskenne, wie sich das rechtlich verhält. Kommt es zu einer Beißerei, hat im Zweifelsfall derjenige schuld, der seinen Hund nicht unter Kontrolle hatte. Das warst in der Situation Du. Angeleint war er auch nicht. Du musst dafür sorgen, dass er nicht vom Grundstück runterkommt, egal wie. Was wäre, wenn Dein Hund ÜBER die Straße gerannt und vom Auto erfasst worden wäre? Oder wenn ein anderer Hund IHN z.B. schwer verletzt oder totgebissen hätte? Man hat dafür zu sorgen, dass sein Hund weder gefährdet wird noch andere Lebewesen gefährden kann. Das ist jetzt aber nicht als Vorwurf gemeint, nicht falsch verstehen icon_wink.gif - Unachtsamkeiten können passieren und sind sicher schon jedem von uns passiert. Shit happens. icon_rolleyes.gif

Ich habe inzwischen schon ein paar brenzlige Situationen erlebt (nicht alle bzw. keine ernsten mit meiner Hündin) und würde sagen, dass die meisten Hundehalter relativ relaxt mit (kleineren) Unfällen umgehen und die Schuld gemeinsam tragen. Es gab bei uns im Viertel eine krasse Beißerei unter Rüden, und da die Schuldfrage nicht geklärt werden konnte, haben sich beide die TA-Kosten geteilt. Ohne aufeinander sauer zu sein. Meine Hündin hat ihrer Dobermann-Freundin vor ein paar Wochen ein Stück Fell rausgerissen. icon_redface.gif Ich war sehr in Sorge (Es ist leider (!) nur mein Gassihund, sie gehört nicht mir persönlich. Und da ich mich auch vor ihren Haltern rechtfertigen müsste, bin ich besonders sensibel, wenn sie in meiner Obhut etwas anstellt oder selbst verletzt wird ...). Das Dobifrauchen war zwar überhaupt nicht begeistert, gab aber sofort zu, dass ihre Hündin angefangen hatte (Sie hat meine über eine lange Zeit grob provoziert, war übermütig, pubertär und wurde von meiner Hündin kurz, aber deutlich in die Schranken gewiesen icon_rolleyes.gif). Somit war das geklärt, meine Hündin hatte sozusagen volles Recht zu dieser Aktion. Wenn ich selbst auch genauso wenig begeistert war. icon_confused.gif

Ich habe auch schon genau so eine Situation erlebt, wie Du sie beschrieben hast. Wir sind mit dem Beagle-Kumpel meiner Hündin unterwegs gewesen und ein großer Labbi-Rüde kam aus einer Toreinfahrt geschossen - das Tor war offen, weil Herrchen grad das Auto reinfahren wollte. Genau Deine Situation. Mir wurde schlagartig sehr flau im Magen - nicht wegen meiner Hündin, sondern weil der Beagle mit Rüden unverträglich ist. Wir hatten unsere Hunde beide angeleint, aber wäre es zum Kampf gekommen, hätte der Beagle schon kräftemäßig keine Chance gegen den Labbi gehabt. Ich hatte echt RICHTIG Angst, weil der Labbi so wild auf uns zustürzte und ich nicht gewusst hätte, wie wir hätten reagieren sollen - dazwischen kann man jedenfalls nicht gehen bei einem Kampf. icon_rolleyes.gif Das Labbi-Herrchen, hinter dem Steuer sitzend, versuchte noch, seinen Hund am Ausbüchsen zu hindern, indem er ihm den Weg abschneiden wollte und mit dem Auto frontal auf ihn zufuhr. icon_eek.gif Meine Hündin riß mich an der Leine mit und stellte sich zwischen die Rüden. icon_eek.gif Ich habe sie noch nie schlichten sehen und bin sonst nicht so begeistert von ihren Spontan-Turbo-Starts an der Leine icon_evil.gif, aber ich glaube, diese Idee war Gold wert. cats_wub.gif Der Labbi wurde zurückgepfiffen, gehorchte auch - Gefahr gebannt. Nur der Beagle hat eine Weile gebraucht, um sich wieder runterzufahren. Aber wie gesagt: Kann passieren. In Zukunft leinst Du den Labbi vielleicht doch besser an beim Aussteigen oder machst erst das Tor zu. icon_wink.gif
Viele Grüße,
Minou


» User #19355 schrieb:

hi ^^

danke für deine antwort und dein herzliches willkommen icon_smile.gif

Ich nehms auch nicht als Vorwurf, sonst hätte ich hier ja nicht reinschreiben sollen.

Hm, prinizpiell ises so, dass wir garkein Tor haben ^^° Es war bis jetzt auch nie nötig. selbst wenn wir uns im Hof aufgehalten haben und seine Hass- und Feindbilder (naja, eher andersrum, so zwei richtig aggressive Hunde, die Ihren Besitzer hinter sich herziehen, wenn sie ihn sehen)kamen vorbei, war das kein problem. er hat dann zwar geschaut, wir haben gerufen, er kam, alles in butter.

Deswegen war ich ja ein bisschen ratlos, weil er ansonsten auf dem Grundstück zumindest wirklich top hört. Draußen hält es sich zwar in Grenzen, da kann ich ihn nur im übersichtlichen Gelände ableinen, wenn ich wirklich jeden Hasen und jede Maus zuerst sehe. Dann funktioniert das eig auch ganz gut, hängt aber wirklich von seiner und meiner Tagesform ab.

Das kan ich verstehen, dass dir da flau im Magen wurde. Die Situation hatte ich auch mal, mit eben diesen beiden Raufbolden. Wir sind bei denen am Tor vorbeigegangen und normaler weise schmeißen die sich immer gegen die Tore, dass man Angst haben muss, sie fliegen aus den Angeln. Letztes Jahr bin ich wieder da vorbei und das Tor war offen. Die beiden kamen aber nicht da raus, sondern beim Nachbar, ohne Leine, ohne Halsband und ohne Besitzer.

Haben sich dann beide (Rottweilermix und Dobermannmix oder so)auf meinen Rüden gestürzt. Der eine hat ihn bestiegen (dadurch gabs ne minimale Schnittverletzung am Bauch) und der andere hat einfach nur bedrohlich dagestanden und geknurrt. Dazu ist noch zu sagen, dass meines Wissens nach beide weibchen sind. Es ist nicht mehr passiert, weil ich seine Leine losgelassen hab und er einfach alles über sich ergehen lassen hat. Zu meinem Glück kam dann der Nachbar und hat sie hinters Tor gelockt. Also war mehr oder weniger nix schlimmes passiert, ich war aber trotzdem mächtig sauer, weil der Besitzer ja nicht mal da war.

Insofern kann ich die Sicht der anderen Seite schon nachvollziehen, aber es ist ja auch wirklich so, dass ich die Besitzerin noch aus Grundschultagen kenne und sie seitdem ich den Hund habe, mehr oder weniger nur schikaniert. Unsere Hunde sind auch schon öfters aufeinander getroffen und sie meint jedes mal nur, dass ihren Hunden nichts passieren würde, dabei hat meiner nicht mal den Hauch von Aggression gezeigt.
Schon komisch.

Und zu den Fällen die du aufgelistet hast, möchte ich folgendes sagen:

da hast du Recht, das sind genau meine größten Ängste also zumindest das mit den Autos. Er hat vor Autos nämlich absolut keine Angst, Traktoren und LKWs sind da wieder was ganz anderes, aber Autos empfindet er als toll, weil er immer mitgenommen wird.

Aus dem Grund lassen wir ihn niemals alleine im Garten (will er auch garnicht, er geht immer mit rein) und lassen ihn nur weit weg von Straßen laufen, weil ich ihm dann doch nicht soweit vertraue, dass er nicht doch mal ein Kaninchen vor mir sieht und dann vor lauter Begeisterung auf die Straße läuft. Wir arbeiten auch beständig an seiner Erziehung und inzwischen, wo er aus der 2. "ich bin der Größte"phase raus ist, hört auch, ich will nicht sagen gut, aber es reicht aus.

Vielleicht muss ich auch weiter an mir arbeiten. Aber deswegen hatte ich auch an dem Tag meine Mutter mit zum Gassi gehen, weil ich mich selbst nicht in der Lage dazu gesehen habe. Komandos kamen nur gekrächtzt und ich war zu schlapp, um lange zu gehen. Also lag der Fehler da so ziemlich ganz bei mir und nicht bei dem Hund. Meine Frage ist ja jetzt, ob ich mir generell Gednaken machen muss oder ob das nur ne einmalige Sache war, weil ich krank war bzw. bin.

Naja, auf jeden Fall nochmal vielen Dank für deine Antwort icon_smile.gif Ich werde einfach mal schauen wie das in den nächsten Tagen so mit dem Gehorsam läuft und mich dann nochmal melden icon_smile.gif


» User #19355 schrieb:

So, hallöchen

heute habe ich zwar krank im Bett gelegen, aber meine Mutter ist mit ihm gegangen. Er hatte sein Geschirr anbekommen, die Tür stand schon offen und meine Mutter wollte mit ihm unangeleint zum Auto gehen. Da bleibt er wieder mit gespitzten Ohren stehen und meine Mutter hört nur tobendes Gebell. Die Schwester der Besitzerin von gestern hatte alle ihre Hunde dabei und die waren vollkommen am ausrasten. O-Ton "Sie haben mit ihrer Besitzerin Schlittenhunderennen gespielt" Weswegen, das konnte meine Mutter nicht sehen, aber das ist ja auch nicht sonderlich wichtig. Mein Rüde bellt einmal, meine Mutter kommandiert ihn ins Auto und schwupps sitzt er drinne.

Hat alles wunderbar und wie gewohnt funktioniert. Lag alles wohl wirklich dadran, dass ich kein eindeutiges Signal geben konnte, weil ich zu krank war. Ich hab draus gelernt und überlasse ihn in so Zeitpunkten besser meiner Mutter.

Was meint ihr? Gibts ähnliche Erfahrungen, wenn man krank war?