Haustiere

Kastration Rüde - ja oder nein?

» User #11772 schrieb:

Hallo, ihr Lieben,

habe mit Interesse Eure Stellungnahmen gelesen. Unser Einstein - Rumänischer Straßenkreuzer via Tierheim bei uns gelandet - ist nunmehr ca. zwei bis zweieinhalb Jahre alt. Im Tierheim sagte man uns, es wäre ihnen egal, ob wir ihn "legen" lassen würden, bei Hündinnen würden sie ein Schutzgebühr verlangen, bis die OP nachgewiesen worden wäre, aber bei Rüden nicht. So blieben wir mit dem Thema allein gelassen, denn von allen Seiten prasselten die dollsten Meinungen auf uns ein:
- Der wird ruhiger und geht nicht so oft stiften, wenn er läufige Hündinnen wittert.
- Eure Kleine kommt dann auch besser mit ihm klar, weil er sich an der Leine nicht mehr so dominant aufführt.
- Weder Kastration noch Sterilisation bewirken eine Verhaltensänderung bei Rüden, wenn sie streunen einmal gelernt haben, tun sie es bei jeder passenden Gelegenheit wieder.
- Der wird fett und träge und ihr braucht keine Angst mehr davor haben, dass er Euch abhaut, wenn ihr ihn ableint.
- Auch der Jagdtrieb wäre dann weg.
- Die OP kann ihn vor Krankheiten bewahren.
- Die OP greift in seinen Hormonhaushalt ein und ruft erst richtig Krankheiten hervor.
- Seine Persönlichkeit wird ihm genommen.
- usw.
- usw.
- usw.

Der eine vertritt die, der andere jene Meinung. Selbst die beiden Tierärztinnen, mit denen ich bislang gesprochen habe, vertreten gänzlich unterschiedliche Positionen und irgendwie ist jede ihrer Argumentationen plausibel und gibt mir keinen Grund, ihre Kompetenz anzuzweifeln.

Kann mir mal jemand sagen, wer nun Recht hat und was nun stimmt?!?!?!

Fakt ist, dass unser Einstein sich überhaupt nicht mit anderen Rüden verträgt. Hündinnen (die nicht grad läufig sind) erträgt er geduldig, spielt aber nicht nennenswert mit ihnen. Er muß auch einiges als Straßenköter durchgemacht haben, denn er hat eine Narbe auf der Netzhaut und ist auch sonst eher ein ängstlicher Vertreter. Nur wenn er Wild oder eine läufige Hündin wittert (und irgendwie schein ja fast stets und ständig eine in der Nachbarschaft grad läufig zu sein *stöhn*, nicht wie man mir mal erzählte nur zweimal im Jahr...), dann ist es, als hätte man einen Schalter in seinem Kopf umgelegt und aller Gehorsam und jedwede Erziehung ist vergessen. Man kann nur noch seinen Läufen und seiner Staubwolke hinterher sehen und später zu Hause darauf warten, dass irgendein genervter Halter einer läufigen Hündin anruft und verlangt, dass man ihn vom Grundstück pflückt. Nur gut, dass hier im Dorf jeder Hundehalter weiß, wo jeder andere Hund hingehört, und anrufen kann!

Meint ihr, eine OP wäre eine Lösung und wenn nein, was hilft denn bitte dann noch?!?

Eure sehr ratlose und verunsicherte
Lenia


» User #12972 schrieb:

Hi,
keiner meiner Rüden habe ich wegen den "nervigen" Haltern von Hündinnen kastrieren lassen.
Eine OP ist eine OP, mit allen Risiken und die Risiken waren mir wegen dem Ganzen einfach zu hoch.

Ich hätte mich dorthin gebissen wo die Sonne nicht scheint, wenn er aus der OP nicht wieder aufwacht und alles nur, weil es auch als Halter von Rüden nervig ist, wenn hier und da eine läufige Hündin rumläuft.

Tom reagiert auch bei läufigen Hündin, in dem er eben nur noch sehr schlecht reagiert - auf mich. Da zück ich die Schleppleine, inkl. Wurfkette. Bin sehr streng dann mit ihm und wenn mir noch das pflanzliche Mittel einfallen würde, was ich bei einem meiner Hunde gab, könnte ich Dir echt ne Hilfe sein.
Muss morgen mal meine Frau fragen, die müsste es noch wissen. icon_motz.gif

Meine Überzeugung ist es eben, den Rüden Rüden sein zu lassen, wenn absolut kein gesundheitlicher Grund für eine OP vorliegt.
Wenn die Prostata anschwillen würde und er dadurch wirklich gesundheitliche Probleme bekommen würde, weil sich dadurch auch nicht der Darm wirklich entleeren kann und auch nicht die Analdrüse und es würde auch nicht durch die Zugabe der Pillchen (s.o.) gelindert werden - ja dann - ok. Aber aus den oben von Dir genannten Gründen - no Chance! Da könnte mich keiner überzeugen, denn eine OP ist eine OP.
Gruß eggi


» User #6159 schrieb:

Bezüglich der Dominanz kann ich nur von meinen persönlichen Erfahrungen schreiben, auf unserem Pferdehof hab ich die letzten zwanzig Jahre ca. 40 Hunde kommen und gehen sehen (nicht meine, die der Einsteller icon_wink.gif)) Durchweg waren die Hündinnen friedlich, aber wehe wenn es mal Stunk gab, die Kastraten friedlich, die nicht kastrierten Rüden wurden zu 80 % trotz gleicher Sozialisierung mit dem Erwachsen werden recht unverträglich mit anderen nicht kastrierten Rüden. Eine Kastration nach dem 3. Lebensjahr hat in vielen Punkten nichts mehr bewirkt außer, dass die Rüden nach der Hormonumstellung nicht mehr so kirre waren bei läufigen Hündinnen.
Aber wie gesagt, meine Erfahrungen... da streiten sich ja wirklich die Gemüter...
LG
Heike und Spike


» User #243 schrieb:

Mein Rüde ist auch nicht kastriert, auch wenn ich ihm manchmal androhe "Glocken ab" wenn er wieder einer läufigen Hündin hinterherjankert icon_wink.gif
Aber: OP ist OP, und eine Kastration ist ohne medizinische Indikation schon aus tierschutzrechtlichen Aspekten eigentlich verboten (was aber wohl niemanden wirklich interessiert icon_rolleyes.gif ).
Eine Verhaltensänderung KANN eintreten, muß aber nicht. Der Schuß kann auch genausogut nach hinten losgehen, daß man nach der Kastration einen völlig unverträglichen Kandidaten an der Leine hat.

Jagdtrieb wird von einer Kastration überhaupt nicht beeinflußt. Wer erfolgreich gejagt hat, wird es auch wieder tun - ob kastriert oder intakt. Da hilft nur langes und konsequentes Trainieren (und manchmal hilft in wildreichen Gebieten eben nur lebenslang Schleppleine).


» User #14287 schrieb:

Hallo,

ich musste meinen Hund auch damals kastrieren lassen, tatsache war, er ging stiften sobald er irgendwo was witterte da sah man dann nur noch die Staubwolke und seinen Hintern, auf Rufen hat der nicht mehr reagiert, und egal wo...wer weiss in welchen orten er damals sein unwesen trieb, nur leider fand er den weg nach hause immer schwer wieder, vergesslich war der gute halt.
Die Kastration habe ich mir wirklich sehr lange durch den Kopf gehen lassen ...och gott, der arme hund etc...arm war es aber wirklich weil er seinem trieb nicht nachgehen durfte, bei Vollmond war er der Jauler vor dem Herrn, richtig gelitten hat er...

Tja und soo...schnapp und ab ...

Hört sich hart an, aber mir war es liebe so, als einen Hund zu haben, der a. den Weg nach Hause nur schwer gefunden hat und dazu immer eine stark befahrene Strasse in der Nähe war

Sicherlich hab ich Angst gehabt wegen Charakterveränderung und nur noch einen ruhigen gähnenden Hund zu Hause,
war nix, der hat sich überhaupt nicht verändert! Und ruhig, im Gegenteil, Sam hatte seine Triebe in einen unersättlichen "Hol den Ball-Trieb" geändert.

Das einzige war halt, wo ne hübsche läufige Dame ihm sein Hinterteil hingesteckt hat, es war ihm schnurz. icon_rolleyes.gif
Teilweise haben diese Damen ihn wirklich so sehr geliebt, daß sie ihn bedrängten bis zum geht nicht mehr, so daß er noch aufgestiegen ist...aber mehr unlustig...(vielleicht wussten die süssen ja, da passiert nix, Spass zum Nulltarif icon_razz.gif )

Und mit anderen Hunden hat sich insofern auch nix geändert, mit Rüden tat er sich eh immer schwer, und Hündinnen liebten ihn icon_wink.gif

Ja und auch das mit dem Dickwerden, ich seh hier immer die Besitzer von wirklich dicken Hündinnen, kommen dann mit der Ausrede, ja sie ist ja steriliesiert, blödsinn! die gehen halt nur ne kleine Runde und lassen das Tier gar nicht Austoben. Ich glaube eher, daß liegt an unserem eigenen Verhalten, der arme Kerl, wir haben ihm das letzte bisken Spass genommen, da soll er auf jeden Fall beim Essen nicht leiden. icon_wink.gif

Viele Grüsse
Saida


PS. Gerade habe ich mein Schlappohr im v.Tierfriedhof verewigt, es tut gut, diese Erinnerungen wieder zu sehen ...


» User #13934 schrieb:

Hallo,
also ich werde unseren Dobbermann Pinscher Spike jetzt 7 Monate alt, auch bald kastrieren lassen. Er bedrängt andauernd unsere Hündin( die dann bissig wird) und auch mein Bein findet er ganz toll.
Wir haben bisher immer alle Rüeden, die wir hatten , kastrieren lassen. Es ging immer alles gur- be4im Tierarzt unseres Vertrauens- Auch gegen die Schmerzen bekamen sie etwas.
Keiner wurde dick, oder änderte seinen Charakter.
Wir haben nur positive Erfahrungen gemacht. Einige von unseren Rüeden liefen oft über mehrer Tage weg und kamen oft blutig nach Hause( wohl durch Rivalität mit anderen Rüden ums Weibchen)
Alles legte sich durch die Kastration nach einiger Zeit.
Also ich mache es immer wieder. Das Leben bigt nun mal Risiken. Dann dürfte sich keiner mehr auf den OP legen.
Liebe Grüsse
Elvira


» User #2198 schrieb:

Hallo Ice,

Zitat:
und eine Kastration ist ohne medizinische Indikation schon aus tierschutzrechtlichen Aspekten eigentlich verboten (was aber wohl niemanden wirklich interessiert ).


Doch, mich. icon_mrgreen.gif Also, erzähl, wieso ist eine Kastration aus tsr Gründen verboten? Sowohl bei Rüden als auch bei Hündinnen?

LG Soluna


» User #243 schrieb:

Weil eine Kastration einer Amputation gleichkommt. Es werden ohne medizinische Notwendigkeit Organe entfernt.
Im TSG ist ebenso verankert, daß einem Tier nicht grundlos Schmerzen zugefügt werden dürfen (schlag mich tot - den genauen Wortlaut hab ich jetzt nicht im Kopf - müßte ich nochmal raussuchen)
Eigentlich ist es dem Kupieren von Ruten und Ohren gleichzusetzen (mal hart ausgedrückt), denn in den meisten Fällen wird "schöngeschnippelt", was nicht paßt
(provozierend gesagt, ich weiß icon_biggrin.gif ). In den Fällen, wo ein Rüde unter einer heißen Hündin nur noch leidet (Heulen, Fressen verweigern etc.) oder Hündinnen starke Scheinträchtigkeiten entwickeln, ist die medizinishce Indikation gegeben und daher erlaubt.


» User #2198 schrieb:

Hallo Ice,

danke für die Aufklärung. Als "grundlos Schmerzen zufügen" kann man eine Kastration in meinen Augen jedoch nicht sehen und schließlich werden meines Wissens nach in jedem Tierheim Hunde/Katzen auch nur kastriert vermittelt. Und man möchte doch annehmen, dass in THs tierschutzorientierte Menschen arbeiten. icon_rolleyes.gif

Als Schönheitsop kann man das wohl auch nur schwerlich bezeichnen - schließlich sieht es vorher ja noch so aus wie nachher (grob gesagt). icon_wink.gif Und spricht man von Amputation nicht nur bei Gliedmaßen (Arme, Beine)? Egal.

Jetzt kann man natürlich drüber streiten, ob ein Tier mehr leidet, wenn es kastriert wird oder sich trotz dem Trieb dazu nicht vermehren darf. Ist wohl eine Diskussion ohne Ende... icon_wink.gif

Also, ich weiß nicht, inwieweit ich mich damit anfreunden kann, diese Aussage auf Kastrationen zu beziehen, denn bezüglich überfüllter THs und einer was weiß ich wie hohen Geburtenrate von Katzen- und Hundebabys sehe ich durchaus eine Notwendigkeit zur Kastration gegeben.

LG Soluna


» User #243 schrieb:

Es ist ein zweischneidiges Schwert - ich weiß. Und es gibt weiß Gott genug Hundehalter, die nicht auf ihre Hunde aufpassen können oder wollen. Insofern gibt es auch viel zu viele Unfallwürfe.
Viele TH geben Hunde nur kastriert ab - Champ ist auch aus dem TH, aber nicht kastriert.
Ich sehe es aber weiterhin so, daß die meisten Kastrationen aus Bequemlichkeit erfolgen und um Verhaltensweisen zu beeinflussen. Und dafür ist eine Kastration nicht geeignet.


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