Haustiere
Hundehaftpflicht

Hundehaftpflicht: Schuld - Recht - Haftpflichtversicherung

» User #12361 schrieb:

In vielen Forenbeiträge geht das Thema leider total durcheinander. Als gelernte Versicherungskauffrau möchte ich Euch deswegen mal möglichst verständlich erklären, wie das mit der Schuldfrage ist, wenn der Hund was anstellt.

In unserem BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) ist geregelt, dass jeder Hundehalter für seinen Hund eine Gefährdungshaftung übernimmt. Das heißt: Mit dem Hund bringt er zunächst einmal eine Gefahr in Umlauf, gilt übrigens genau so für ein Auto. Deswegen muß er auch für alles haften, was mit oder durch den Hund passiert. Dabei ist egal, ob der Hundebesitzer oder der Hund Schuld an dem Ereignis tragen.

Das heißt: Wenn der Hund beißt, muß der Hundehalter zahlen

Wenn der Hund eine teure Vase beim Nachbarn runter schmeißt, muß der Hundehalter zahlen.

Wenn der Hund jemanden umwirft, muß der Hundehalter zahlen.

Wenn der Hund, jemanden anspringt und jemanden die Kleidung verschmutzt oder beschädigt, muss der Hundehalter für den entstandenen Schaden zahlen.

Ist der Hund angeleint und jemand stolpert über die Leine, auch dann muss der Hundehalter für den Schaden aufkommen.


Dabei gilt: Auch wenn der Geschädigte eine Mitschuld trägt, ist der Hundebesitzer dran. Es kann höchstens sein, dass dem Geschädigten eine Mitschuld angelastet wird. Zum Beispiel, wenn er den Hund so lange geärgert hat, bis dieser zugeschnappt hat. Aber auch dann ist zunächst der Hundehalter dran. Es kann höchstens sein, dass ein Gericht die Entschädigungssumme in einem solchen Fall herabsetzt.

Grundsätzlich aber gilt: Unabhängig von einer Schuld, der Hundebesitzer muß für einen durch seinen Hund entstandenen Schaden zahlen.

Um sich vor unerwarteten Kosten bei einem solchen Schadenereignis zu schützen, gibt es eine Hundehalter-Haftpflichtversicherung. Diese ist keine Pflichtversicherung! Sie ist freiwillig, aber im Grunde unverzichtbar für jeden Hundebesitzer. Denn sie erfüllt nicht nur begründete Ansprüche, sondern sie wirkt auch als passive Rechtschutzversicherung und wehrt, notfalls vor Gericht, unbegründete Ansprüche ab.

Ausgenommen von der oben beschriebenen Gefährdungshaftung sind Nutztiere. Also Blindenhunde, Hütehunde, die als solche eingesetzt werden und Therapiehunde. Wer sein Tier aber als reines Luxustier hält, unterliegt immer der Gefährdungshaftung und muß für alle Schäden durch den Hund aufkommen.

Wer noch Fragen zu dem Thema hat: Einfach hier posten oder mich direkt anschreiben!


» User #12232 schrieb:

Hallo,

habe nun mal eine Grundsätzliche Frage:
Wir haben eine Hundehalterhaftpflicht für beide Hunde.
Bei uns wurde vor ca. 4 Wochen eingebrochen, in unserem Stall, der ist angrenzend an unser Haus. Unser Hund hat angeschlagen, wir vermuteten aber eine Katze.
Einer unserer Hunde wird im Schutzdienst geführt.
Was wäre gewesen wenn er den Einbrecher auf unserem Grundstück gestellt hätte, Trotz Warnschilder rund ums Grundstück?

Würde mich mal brennend Interresieren.

Grüße
Stefanie


» User #12361 schrieb:

Also in diesem Fall sagt der Gesetzgeber ganz klar:

Wer sich beim Ausüben einer Straftat (und das ist ein Einbruch ja wohl) einen Schaden zuzieht, darf keine Entschädigung geltend machen. Das wäre ja noch schöner- Stell Dir vor, ein Einbrecher klettert über Euren Zaun, zerreißt sich dabei die Hose und will die dann auch noch bezahlt haben... Nein, so was geht natürlich nicht! Allerdings muß das Verhalten des Hundes natürlich den Umständen angemessen sein. Er darf einen Einbrecher natürlich nicht tot beißen.

Schau, wenn Du einem Einbrecher mit ner Bratpfanne eins über den Kopf haust, würde auch keiner was sagen. Aber wenn Du ihn abknallen würdest, würdest Du garantiert vor Gericht landen.

Dass Dein Hund ein ausgebildeter Schutzhund ist spielt in diesem Fall keine Rolle. Ich hoffe, ich habe Dir damit weiter geholfen!


» User #12232 schrieb:

Danke, natürlich hast du mir weiter geholfen.
Schutzhunde dürfen nur im Notfall Zubeisen, ansonsten nur verbellen und evtl. Festhalten. Nein Totbeisen würde die niemand.
Aber unsere Freunde haben uns Angst gemacht, wegen Schutzhunde Ausbildung und meinten, wenn dann mal wieder einer über den Zaun kommt, könnten wir Kräftig zahlen... wegen der Ausbildung.

Aber nochmals Vielen Dank
Grüße
Stefanie


» User #12361 schrieb:

Nein, also, wenn jemand einfach über Euren Zaun klettert, ist das meiner Meinung nach Hausfriedensbruch und damit auch eine Straftat.

Ich würde an Eurer Stelle aber dafür Sorge tragen, dass keine Kinder über den Zaun klettern können. Sollte es zum Beispiel der Fall sein, dass Kinder einen Ball von Eurem Grundstück holen wollen und es dabei zum Zusammenstoß mit dem Hund kommt, würde die Haftpflichtversicherung in diesem Fall zwar aufkommen. Es kann höchstens sein, dass sie je nach Alter und Verhalten des Kindes eine Mitschuld bei dem Kind oder den Eltern annimmt. Aber da man ja nicht will, dass Kindern irgendetwas in der Richtung passiert, würde ich da entsprechende Vorkehrungen treffen.


» User #12232 schrieb:

Unser Zaun ist überall 2 Meter hoch, für Kinder nicht zu erreichen.Nur das Eingangs und Hoftor sind niedriger.

Aber Kinder würde sie eh nichts tun. das hatten wir schon, das Kinder übers Hoftor geklettert sind, wegen einem Ball. Sie liebt Kinder die dürfen bei unserer Süßen alles mit ihr tun icon_smile.gif
Unser Sohn hat auch häufig besuch aus dem Kindergarten, und Kinder sind für sie nur Spielgefährten.
Zum Glück icon_smile.gif